Barbara WOLF - WICHA Politik - Wissenschaft - Kunst
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STOLPERSTEINE - ein "unbequemer" Weg in die Vergangenheit:                von Anif nach Hallein 

Josefine Lindorfer hatte 20 Pfennige (!) für die "Rote Hilfe" gesammelt - und starb in Auschwitz

 

STOLPERSTEINE erinnern in über 11.000 Gemeinden in 18 europäischen Ländern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus dem Regime zum Opfer gefallen sind. Sie standen kaum im Mittelpunkt großer öffentlicher Gedenkfeiern. Es sind Angehörige oder verschiedene private Initiativen, denen daran gelegen ist, dass die Namen dieser Menschen und ihre Schicksale nicht vergessen werden - durch dieses DEZENTRALE MAHNMAL.

Es ist keine homogene Gruppe, für die Stolpersteine verlegt wurden: Menschen jüdischer Abstammung; solche, die damals der "falschen Partei" angehörten; es sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von der NS-Rassenhygiene zur "Vernichtung lebensunwerten Lebens" in Euthanasietötungsanstalten freigegeben wurden. Stolpersteine wurden auch für jene verlegt, die unter Gefährdung des eigenen Lebens Widerstand geleistet haben und - was die Häufigkeit von Denunziationen zeigt - doppelt gegen den Strom geschwommen sind: gegen das Regime und gleichzeitig gegen die Mehrheit derer, die sich "widerwillig loyal" anpassten. Widerstand zeigte sich in unterschiedlicher Form - vom unvorsichtigen Wort am falschen Platz bis zur Hilfeleistung für Familien von Inhaftierten oder Flüchtenden bis zur Verweigerung des Kämpfens in den Eroberungsfeldzügen im Osten.

Am Straßenrand, zwischen zwei Büsten (LH Katschthaler und Graf Moy) liegt der Stolperstein für die Künstlerin Helene von Taussig

Ich habe diesen Weg in ANIF begonnen, wo - auf einem "Gedenkplatz" rechts neben der Kirche - ein unscheinbarer Stolperstein für die Künstlerin Helene von Taussig im Juli 2014 verlegt wurde.

Anschließend geht es weiter über Kaltenhausen nach HALLEIN, wo inzwischen bereits 26 solcher Erinnerungssteine verlegt wurden (weitere folgen). Aber Teil meiner Zeitreise ist auch der Schöndorferplatz, der besonders behutsam wiederbelebt wurde, indem zwischenzeitlich leerstehende Häuser revitalisiert wurden. Das Kolpinghaus betreut sieben Häuser, in denen SchülerInnen, StudentInnen und minderjährige Asylbewerber leben.

Viele der in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim deportierten Menschen waren zuvor in Heil- und Pflegeanstalten, darunter auch über 150 in Schloss Schernberg bei Schwarzach. Dort war es die Visitatorin der Vinzentinerinnen, Sr. Anna-Bertha Königsegg, die mit ihren Schwestern versucht hatte, den Abtransport der Pfleglinge zu verhindern (es gelang nur teilweise, sie selber wurde des Landes verwiesen).

Der so genannte "Grill-Stollen" führt indirekt zurück zur Geschichte der 1939 aufgelassenen Zigarren- und Tabakfabrik. Das Areal in der Davisstraße 7 wurde im Februar 1940 an Eugen Grill verkauft und zum Zweigbetrieb der BMW-Motorenwerke. Im Stollen sollte die Produktion von Motoren und Kommandogeräten fortgesetzt werden, um vor Luftangriffen geschützt zu sein. Ein Teil des Stollens wurde am 14.3.1945 feierlich eröffnet - aber am 7. Mai 1945 wurden alle Liegenschaften von Eugen Grill nach dem Einmarsch der Alliierten von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt. Ihr Interesse galt aber anderem...

Gedenkstein

Der Weg führt weiter zum Nebenlager des KZ Dachau an der Wiestal-Landesstraße im heutigen Betonwerk Deisl. Von dort gelang drei Häftlingen durch die Unterstützung der Widerstandskämpferin Agnes Primocic in den Jahren 1943 und 1944 die Flucht. Und im April 1945 schaffte sie es, 17 Gefangene aus dem Lager zu befreien. An die 90 Häftlinge im Außenlager des KZ Dachau und an die mutige Errettung der 17 Gefangenen erinnert der Gedenkstein, den Manfred Deisl errichten ließ. Das Land Salzburg verlieh Agnes Primocic im Jahr 2005 das Ehrenzeichen für ihren mutigen Widerstand.

Den Abschluss bildet ein Blick auf das Zwangsarbeiterlager in Puch, wo viele der vom Eugen-Grill-Werk beschäftigen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen untergebracht waren.

Was mich während dieses Rundgangs - und vor allem nach dem Gedenkmarathon der Jahre 2014/15 - beschäftigt hat, war die Frage, ob uns die Beschäftigung mit der Vergangenheit solidarischer, mutiger oder humaner macht für die "Gegenwartsbewältigung"...

Mehr dazu (mit Quellen und Literaturverweisen) findet sich im Band "Wege zu den Quellen" (Band 4 der  Reihe "Natur- und Kulturerlebnisführer der Universität Salzburg"), S. 63 - 86,  das  Anfang 2016 erschienen ist. Bestellungen über Frau Heidrun Eibl-Göschl, Uni Salzburg, heidrun.eibl@sbg.ac.at , oder über Univ. Lekt. Mag Dr. rer.nat. Horst Josef Ibetsberger, GeoGlobe (horst.ibetsberger@geoglobe.at)

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